Die meisten Menschen haben wohl schon Phasen erlebt, in denen ein
Kummer oder irgendein berunruhigendes Geschehen an ihrem Gemüt nagte,
und man ist diesen Gedanken hilflos ausgeliefert, den Argumenten
oder Worten, die "man hätte aussprechen sollen", und die nun wie
ein Hamster im Tretrad in unserem Gemüt kreisen. Diese Art von Denken
führt nur zu Ermüdung und erreicht oder löst nichts. Dr. Bach verglich
diesen Gemütszustand mit einer "Grammophonplatte, die hängengeblieben
ist". Die Nadel kommt auf ihrer Spur nicht weiter, und die quälenden
Gedanken gehen im Kreise. Ein Patient schrieb: "Ich bin dauernd
innerlich mit mir am Streiten. Mein Denken geht immer im Kreise,
wie ein Karussell. Ich sehne mich so danach, daß dies aufhört und
eine Zeitlang zur Ruhe kommt, denn es läßt mir keinen Frieden, und
ich kann es nicht selbst abschalten." In manchen Fällen kann dieser
Gemütszustand so akut und störend sein, daß er einen Menschen ganz
aus seiner Umgebung und Gegenwart heraushebt, so daß er gar nicht
hört, wenn er angesprochen wird. Dieser Zustand ist sehr gefährlich
und kann im Straßenverkehr zu Unfällen führen; auf jeden Fall bewirkt
er einen so starken Konzentrationsverlust, daß unsere tägliche Arbeit
darunter leidet. Das ist echte, seelische Qual, über die der Leidende
keine Kontrolle besitzt; sie verursacht auch Schlaflosigkeit, denn
das gepeinigte Gemüt kann keine Ruhe finden. Ein Patient schrieb:
"Ich schlafe erst ein, doch dann wache ich in der Nacht auf. Mein
Kopf dröhnt und pocht, und alle meine Sorgen rasen darin umher,
und ich kann nicht wieder einschlafen." Ein anderer sagte: "Ich
werde so deprimiert. Am schlimmsten ist die Zeit zwischen vier und
sieben Uhr morgens, denn dann drängen sich gräßliche Gedanken in
meinen Kopf, und ich habe nicht die Macht, sie zu beherrschen."
Der White Chestnut-Gemütszustand unterscheidet sich deutlich von
der Clernatis-Stimmung. Der Clematis Typ ist ein Tagträumer und
baut sich gerne Luftschlösser, in denen er in seinen Träumen womöglich
mit einem anderen, geliebten Wesen zusammenwohnt. Der Clematis-Mensch
benutzt seine Gedanken, um vor der Welt zu fliehen, wohingegen White
Chestnut alles darum gäbe, uni aus seinem Gedankenkarussell in die
Welt fliehen zu können. Diese Überaktivität des Denkens führt zu
Depression und Ermattung; häufig zeigt sich auch ein Mangel an Konzentration
und das Gefühl, der Kopf sei voll von Gedanken. Ein Patient meinte,
daß "diese Art von ständigem, automatischem Geschwätz" schon seit
vielen Jahren zu Kopfschmerzen führe, vor allem hinter der Stirn
und über d
en Augen, und er hatte den Eindruck, sein "Gehirn scheine
nie kühl und klar zu sein".
Der positive Aspekt dieses Typs zeigt sich bei dem Menschen, der ruhigen und
stillen Gemütes ist. Er ist im Frieden mit sich selbst und der ganzen
Welt. Seine Ruhe ist durch Einflüsse von außen nicht zu stören,
und in dieser Stille erfährt er die Lösung seiner Probleme. Er hat
gelernt, Denken und Imagination zu kontrollieren und sie zu einem
konstruktiven Zweck einzusetzen.