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Schlüssel:
Beeinflussung
anderer
Herrschsucht, Eigenliebe, Selbstmitleid. Übertriebene Fürsorglichkeit
Hang, andere zu bemuttern
Neigung, sich in die Angelegenheiten anderer einzumischen
Selbstmitleid, wenn seine wohlgemeinten Ratschläge missachtet werden
reagiert äußerst empfindlich auf Undank
Neigung, andere moralisch unter Druck zu setzen; weint häufig Krokodilstränen
leicht beleidigt wegen Kleinigkeiten
Unfähigkeit, allein zu sein; fühlt sich schnell einsam
Das innere Verlangen zu dienen und das freie Fließen
selbstloser Liebe zuzulassen, entwickelt sich im Grunde bei den
meisten Menschen, aber keineswegs in allen. Bei manchen nämlich
ist der Liebe Aspekt in seinem Nach-außen-Gehen blockiert und stattdessen
nach innen gerichtet, auf einen selbst. Ein solcher Mensch wird
im Gemüt und Körper gestaut, denn die gebende Liebe wurde zur an-sich-reißenden,
tyrannischen Art, zu egoistischem Streben. Das sind die Merkmale
des Chicory Typs, das heißt: Chicory vermag solche Symptome zu korrigieren.
In dem Brief eines Menschen, der dem Einfluss des Chicory Typs ausgeliefert
war, lesen wir: "Sie ist eine extreme Nörglerin, die keine Ruhe
gibt. Sie ist erfüllt von Selbstmitleid und ihrer 'Niemand-mag-mich'-Überzeugung.
Ihre Gefühle sind leicht zu verletzen, dann wähnt sie sich abgelehnt.
Sie ist geradezu vergiftet von den Produkten ihres Denkens und Fühlens."
Die Chicory-Persönlichkeit entwickelt die Neigung, in Bezug auf
andere überaus besitzergreifend zu werden. Wen der Chicory Typ mag,
den will er um sich haben, dessen Leben will er kontrollieren und
bestimmen (in der Regel zu seinem eigenen Vorteil) und dazu noch
sein Verhalten und Tun kritisieren. Er liebt das Gefühl, etwas oder
jemanden zu besitzen, sowie die Macht, die er über andere gewinnt,
indem er mit ihrer Sympathie spielt. Er spricht viel von "Pflichten",
besonders wenn es sich um Verpflichtungen ihm selbst gegenüber handelt.
Typisch für den Chicory Charakter sind Äußerungen wie diese: "Denk
nur daran, was ich für dich durchgemacht habe; denk nur, was ich
schon für dich getan habe!" Wenn er nicht bekommt, was er will,
wird der Chicory-Typ mürrisch und erleidet ein Martyrium; ist er
weiblichen Geschlechts, bricht er in Tränen aus ob des Undankes,
der ihm/ihr entgegengebracht wird. Ein weiteres Beispiel aus unserem
Archiv ist folgende Charakterisierung: "Sie wird sehr ungehalten,
wenn sie nicht die Aufmerksamkeit erhält, die man ihr - wie sie
meint - schuldig sei. Dann steigert sie sich in tiefstes Selbstmitleid
und fängt leicht an zu weinen, wenn man ihr keine Sympathie zeigt.
Dabei wird natürlich erwartet, daß man alles tut, was sie verlangt."
Der Chicory Typ ist sogar imstande, eine Krankheit zu simulieren
oder zu Hilfe zu nehmen, um sicherzustellen, daß Freunde und Angehörige
ihn bedienen und Mitgefühl angesichts seiner unglückseligen Notlage
zeigen. Es geschieht so oft, daß Kinder herrschsüchtiger Eltern
ihr Leben sinnlos für solche Tyrannen opfern - wenn sie nicht die
Charakterstärke besitzen, aus der krankenhaften Umklammerung freizukommen,
die sie an ihre Erzeuger bindet. In vielen Fällen verzichten sie
auf Karriere oder Ehe und eigene Familie, um bei einem Elternteil
im Hause zu bleiben. Damit erfüllen sie nicht ihre eigene Mission
im Leben; sie werden frustriert und unglücklich. Die Merkmale des
Chicory- Typs können wir bei Menschen jeden Alters und Angehörigen
beiderlei Geschlechtes finden. Ein Beispiel dieser Kategorie jugendlicher
Erpresser begegnete uns in Gestalt eines kleinen Jungen, der nicht
gerne zur Schule ging. Als er im Bett lag und Aufmerksamkeit verlangte,
sagte er tatsächlich: "Ich könnte dafür sorgen, daß ich wieder gesund
werde, wenn ich dafür zu Hause bleiben darf!" In einem anderen Brief
schreibt eine Mutter: "Mein kleiner Sohn - er ist 5 Jahre - kommt
jetzt in die Schule, und ich glaube, ich halte es zu Hause allein
nicht mehr aus. Er wird mir so fehlen, es wird hier so still sein
- ich glaube, das geht über meine Kräfte." Das ist ein klassisches
Beispiel rein egoistischer Mutterliebe - das eine Ende des Egoismus-Spektrums.
Kein Gedanke daran, ob das Kind am ersten Schultag vielleicht nervös
oder aufgeregt wäre; alles, was zählte, war die Befürchtung der
Mutter, daß sie sich vielleicht unglücklich oder allein fühlen würde.
Die Chicory-Menschen geben sich den Anschein, als unternähmen und
täten sie alles für das Glück und Wohlbefinden anderer, während
sie sich in Wirklichkeit so verhalten, daß dem unglückseligen Empfänger
ihrer egoistischen Hingabe daraus weder Frieden noch Ruhe erwachsen,
denn seine Vitalität wird dadurch angezapft. Chicory-Menschen sind
die Vampire ihrer Nächsten, die sich durch nichts davon abhalten
lassen, ihre eigensüchtigen Ziele zu verfolgen.
Die positiven Aspekte des Chicory Typs zeigen sich in einem Menschen,
der in Sorge und Einsatz für andere wirklich selbstlos ist, der
unaufhörlich gibt, ohne auch nur die geringsten Gedanken an eigenen
Vorteil zu hegen.
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